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MOTS-c: Aufbau, Analytik und Handhabung in der Forschung

MOTS-c ist ein unmodifiziertes, lineares Peptid aus 16 Aminosäuren, dessen Sequenz im mitochondrialen Genom kodiert ist. Der Ratgeber erklärt Aufbau, Abgrenzung zu verwandten Molekülen, die Prüfung von Analysezertifikaten sowie Lagerung und Handhabung des Lyophilisats.

Nur für Forschungszwecke
  • Veröffentlicht2026-09-24
  • Aktualisiert2026-09-24
  • AutorGPeptides Redaktion (Betreiber)

Überblick und Benennung

Das Kürzel MOTS-c ist eine Ortsangabe: Es verweist auf einen kurzen offenen Leserahmen im Gen der 12S-rRNA und damit auf das Erbgut der Mitochondrien, nicht auf eine Funktion. MOTS-c ist zugleich die in der Fachliteratur übliche Bezeichnung. In Datenbanken und Katalogen tauchen außerdem die Schreibweisen MOTSc, Mots-c und „MOTS-c (human)“ auf; gemeint ist jeweils dieselbe humane Sequenz. Eindeutig zuordnen lässt sich das Molekül über die CAS-Nummer 1627580-64-6, den UNII-Code A5CV6JFB78 und die PubChem-CID 146675088. Ein Zusatz wie „trifluoroacetate salt“ in manchen Einträgen bezeichnet keine andere Verbindung, sondern die Salzform, in der das Peptid nach der Aufreinigung häufig vorliegt.

Aufbau im Detail

Die Kette H-MRWQEMGYIFYPRKLR-OH gliedert sich in drei Abschnitte:

  • Positionen 1–6 (MRWQEM): zwei Methionine mit Thioether-Seitenkette, ein Tryptophan, dazu Arginin, Glutamin und Glutamat. Hier liegen die oxidationsempfindlichen Stellen des Moleküls.
  • Positionen 7–11 (GYIFY): ein hydrophober, aromatenreicher Mittelteil mit zwei Tyrosinen und einem Phenylalanin. Er bestimmt maßgeblich, wie stark das Peptid auf einer Umkehrphasensäule zurückgehalten wird.
  • Positionen 12–16 (PRKLR): Prolin als starre Knickstelle, gefolgt von einem stark kationischen Ende.

Chemisch ist MOTS-c ein unmodifiziertes Peptid. Es ist weder acetyliert noch amidiert, nicht zyklisiert und nicht lipidiert; ohne Cystein gibt es auch keine Disulfidbrücke. Freie Termini sind Angriffspunkte für Exopeptidasen, terminal geschützte Peptide sind in dieser Hinsicht robuster. Einige verbreitete Abbauwege entfallen dagegen: Ohne Asparagin und Aspartat spielen Deamidierung an Asparagin und Aspartimidbildung keine Rolle, und weil das Glutamin nicht am N-Terminus steht, ist auch eine Pyroglutamatbildung ausgeschlossen. Fünf protonierbare Gruppen (N-Terminus, drei Arginine, ein Lysin) stehen zwei Carboxylgruppen gegenüber. Rechnerisch ergibt sich bei pH 7 eine Nettoladung von etwa +3 und ein isoelektrischer Punkt deutlich im basischen Bereich.

Abgrenzung zu verwandten Molekülen

  • MOTS-c: 16 Aminosäuren, Leserahmen im 12S-rRNA-Gen des Mitochondriengenoms, linear, freie Termini, rund 2,17 kDa.
  • Humanin: 24 Aminosäuren, kodiert im 16S-rRNA-Gen, ebenfalls ein mitochondrial abgeleitetes Peptid; enthält im Unterschied zu MOTS-c ein Cystein. Im Katalog nicht geführt.
  • SHLP 1–6 (small humanin-like peptides): weitere kurze Peptide aus dem 16S-rRNA-Bereich. Im Katalog nicht geführt.
  • GLP-3: lipidiertes Inkretin-Analogon mit rund 4,7 kDa und definiertem Rezeptorprofil; mit MOTS-c nur über das Forschungsfeld Stoffwechsel verbunden, nicht über die Struktur.
  • Glutathion: Tripeptid γ-Glu-Cys-Gly mit rund 307 g/mol. Oxidation ist auch hier das zentrale Analytikthema, betrifft aber eine Thiolgruppe, die zum Disulfid reagiert; bei MOTS-c werden die Thioether der Methionine zu Sulfoxiden.

Worauf bei Analytik und COA achten

Für die Identität zählt der Abgleich mit der monoisotopischen Masse von 2173,11 Da beziehungsweise der mittleren Masse von 2174,6 Da. Bei Elektrospray-Ionisation erscheinen vor allem mehrfach protonierte Ionen, typischerweise [M+2H]²⁺ bei m/z 1087,56, [M+3H]³⁺ bei 725,38 und [M+4H]⁴⁺ bei 544,28; auch [M+5H]⁵⁺ bei 435,63 ist möglich. Im MALDI-Spektrum dominiert das einfach geladene [M+H]⁺, monoisotopisch bei m/z 2174,12. Natriumaddukte erhöhen die Masse um 22 Da, Trifluoracetat-Addukte um 114 Da; auf der m/z-Achse teilt sich dieser Abstand durch die Ladungszahl. Bei dieser Molekülgröße ist im hochaufgelösten Spektrum der um 1 Da schwerere Isotopenpeak etwas intensiver als der monoisotopische. Typische Nebenkomponenten:

  • +16 und +32 Da: ein beziehungsweise beide Methionine als Sulfoxid. Diese Varianten sind polarer, eluieren in der Umkehrphasen-HPLC meist vor dem Hauptpeak und zeigen sich mitunter als Doppelpeak.
  • +4, +16 oder +32 Da am Tryptophan: Oxidationsprodukte wie Kynurenin oder N-Formylkynurenin, vor allem nach Lichteinwirkung.
  • −156 Da: fehlendes Arginin als Deletionssequenz aus der Synthese.
  • +252 Da: nicht vollständig abgespaltene Pbf-Schutzgruppe an einem Arginin.

Reinheit und Gehalt sind getrennt zu lesen. Die HPLC-Reinheit erfasst nur UV-aktive Bestandteile; das Pulver enthält zusätzlich Gegenionen und Restwasser. Bei bis zu fünf positiven Ladungen ist dieser Anteil erheblich: Als vollständiges Trifluoracetat entfiele rechnerisch rund ein Fünftel der Masse auf TFA, als Acetat etwa 12 %. Der Nettopeptidgehalt wird gesondert bestimmt, etwa per Aminosäureanalyse, und steht nur im Zertifikat, wenn er beauftragt wurde. MOTS-c wird regelmäßig extern per HPLC und Massenspektrometrie geprüft; verfügbare Analysezertifikate (COA) stehen im Laborbereich, ohne Zertifikat ist die Prüfung ausstehend. Die Grundlagen erklären die Ratgeber HPLC und Massenspektrometrie und Analysezertifikat richtig lesen.

Lagerung und Handhabung im Labor

Für MOTS-c sind Sauerstoff, Licht und Feuchtigkeit die entscheidenden Faktoren. Zwei Methionine und ein Tryptophan machen die Sequenz oxidationsempfindlicher als Peptide ohne diese Reste, und das Tryptophan reagiert zusätzlich auf UV- und Tageslicht. Das Lyophilisat bleibt deshalb verschlossen, dunkel und trocken im Kühlschrank, für längere Zeiträume bei −20 °C. Vor dem Öffnen sollte das Vial Raumtemperatur annehmen, damit sich keine Feuchtigkeit auf dem hygroskopischen Pulver niederschlägt. Nach einer Entnahme verringert das Überschichten mit Argon oder Stickstoff den Sauerstoff im Kopfraum. Als kationisches Peptid neigt MOTS-c in verdünnter Lösung zur Adsorption an Gefäßwänden; proteinarm bindende Gefäße reduzieren solche Verluste. Allgemeine Hinweise enthält der Ratgeber Lyophilisierte Peptide lagern.

Forschungskontext

MOTS-c gehört zu einer vergleichsweise jungen Gruppe von Peptiden, deren Sequenz im mitochondrialen Genom liegt. In der In-vitro- und präklinischen Forschung wird es vor allem im Zusammenhang mit der Signalübertragung zwischen Mitochondrien und Zellkern untersucht, darunter Bezüge zum Folatstoffwechsel und zum AMPK-Signalweg. Ein spezifischer Rezeptor ist nicht beschrieben. Aussagen über Wirkungen lassen sich aus diesem Forschungsstand nicht ableiten.

Nur für die Forschung: rechtlicher Hinweis

GPeptides bietet MOTS-c ausschließlich als Laborreagenz für die In-vitro-Forschung an. Es ist nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt und wird weder als Arzneimittel noch als Lebensmittel oder Kosmetikum in Verkehr gebracht. Hinweise zu Anwendung oder Wirkung gibt GPeptides nicht. Das Reagenz finden Sie auf der Produktseite MOTS-c, eine Übersicht in der Kategorie Mitochondriale Peptide.

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