Drei verschiedene Zahlen
- Chromatographische Reinheit (Flächenprozent): Anteil des Hauptpeaks im Chromatogramm der Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC). Das ist die Angabe im COA.
- Nettopeptidgehalt: Anteil des reinen Peptids am Gesamtgewicht des Pulvers. Er liegt bei synthetischen Peptiden meist zwischen 70 und 90 %, weil Gegenionen und gebundenes Wasser mitgewogen werden.
- Einwaage je Vial: Die auf dem Etikett genannte Menge (z. B. 5 mg) bezeichnet die Gesamteinwaage, sofern nicht ausdrücklich „Nettopeptid“ angegeben ist.
Die drei Zahlen beantworten verschiedene Fragen und lassen sich nicht ineinander umrechnen.
Wie die Prozentzahl entsteht
Für die Reinheitsbestimmung wird die Probe getrennt, ein UV-Detektor zeichnet die Peaks auf, üblicherweise bei 210 bis 220 nm. Bei dieser Wellenlänge absorbiert die Peptidbindung selbst, sodass peptidische Bestandteile ein Signal liefern. Anschließend wird die Fläche des Hauptpeaks durch die Summe aller Flächen geteilt. Daraus folgt eine Einschränkung: Bestandteile, die bei dieser Wellenlänge nicht absorbieren – etwa Salze oder Wasser –, erscheinen im Chromatogramm gar nicht erst. Die Grundlagen des Verfahrens erklärt der Ratgeber HPLC und Massenspektrometrie.
Typische Verunreinigungen
Bei der Festphasensynthese wird ein Peptid Aminosäure für Aminosäure aufgebaut. Dabei entstehen regelmäßig verkürzte Sequenzen (Deletionssequenzen), Sequenzen mit fehlender Schutzgruppenabspaltung und oxidierte Varianten – etwa an Methionin oder Tryptophan. Sie erscheinen im Chromatogramm als kleine Nebenpeaks nahe dem Hauptpeak. Gerade ihre chemische Ähnlichkeit zum Zielmolekül macht die Abtrennung aufwendig und lässt die Trennleistung der Methode auf das Ergebnis durchschlagen.
Gegenionen
Nach der Reinigung liegt ein Peptid als Salz vor, häufig als Trifluoracetat (TFA) oder Acetat. Das Gegenion ist keine Verunreinigung im chromatographischen Sinn, beeinflusst aber das Gewicht und damit den Nettopeptidgehalt. Für viele Laboranwendungen ist die Salzform relevant; sie sollte bekannt sein. Wie hoch der Anteil ausfällt, hängt von der Zahl der basischen Gruppen im Molekül ab – er kann mehrere Prozent des Gesamtgewichts ausmachen, ohne die chromatographische Reinheit zu berühren.
Restwasser
Nach der Gefriertrocknung bleibt ein poröses Pulver zurück; lyophilisierte Peptide sind hygroskopisch. Ein Vial, das mehrfach geöffnet wurde, nimmt Wasser auf – das ändert die Reinheit nicht, wohl aber die tatsächliche Peptidmenge je Milligramm. Deshalb: Vials vor dem Öffnen auf Raumtemperatur bringen, kurz öffnen, wieder verschließen. Ausführlich steht das im Ratgeber Lyophilisierte Peptide lagern.
Was eine hohe Prozentzahl nicht belegt
Eine Reinheit von 99 % sagt nichts darüber aus, welches Molekül den Hauptpeak bildet; das beantwortet erst die Massenspektrometrie. Ebenso wenig sagt sie etwas über Schwermetalle, Endotoxine oder den Wassergehalt – das sind eigene Prüfungen mit eigenen Ergebnissen. Und sie gilt für die untersuchte Probe zum Prüfzeitpunkt. Fehlt zudem die Angabe der Methode, lässt sich die Zahl überhaupt nicht einordnen.
Prozentwerte vergleichen
Vergleichbar sind zwei Werte nur bei gleicher Methode: gleiche Säule, gleicher Gradient, gleiche Wellenlänge, gleiche Laufzeit. Eine zu kurze Laufzeit kann spät austretende Nebenbestandteile ausblenden, eine ungünstige Wellenlänge sie klein erscheinen lassen. Prüfen Sie deshalb zuerst die Methodenangaben und danach die Zahl; worauf in einem Dokument sonst zu achten ist, zeigt der Ratgeber Analysezertifikat richtig lesen.
Was GPeptides angibt
Die Produktseiten nennen die chromatographische Reinheit der zuletzt geprüften Ware (HPLC). Geprüftes Produkt, Prüfdatum und Methode stehen im Analysezertifikat im Laborbereich; jedes Zertifikat nennt das Produkt, auf das es sich bezieht. Liegt noch kein Zertifikat vor, ist die Ware als „ausstehend“ gekennzeichnet. Wie die Ware von der Probenahme bis zur Veröffentlichung geführt wird, beschreibt der Ratgeber Qualitätskontrolle: Vom Rohstoff bis zum Zertifikat.