
Ratgeber
CJC-1295 und Ipamorelin: Aufbau, Analytik und Handhabung in der Forschung
CJC-1295 (No DAC) und Ipamorelin stammen aus zwei getrennten Peptidfamilien der GH-Achse und sind einzeln sowie als Blend im Katalog. Der Ratgeber erklärt Benennung, chemische Modifikationen, erwartete Massen, typische Nebenprodukte und den Umgang mit dem Lyophilisat im Labor.
Nur für Forschungszwecke- Veröffentlicht2026-09-24
- Aktualisiert2026-09-24
- AutorGPeptides Redaktion (Betreiber)
Überblick: drei Katalognamen, zwei Peptide
Drei Katalogeinträge, zwei Moleküle: CJC-1295 (No DAC) ist ein abgewandeltes Teilstück des Growth-Hormone-Releasing-Hormons (GHRH), Ipamorelin ein kurzes synthetisches Peptid aus der GHRP-Reihe, und CJC-1295 + Ipamorelin ein Lyophilisat, das beide enthält. Die Namen folgen unterschiedlichen Konventionen:
- Ipamorelin ist ein INN (internationaler Freiname). Der Wortstamm „-relin“ ordnet Peptide dem Umfeld der hypophysären Releasing-Hormone zu; er steckt auch in Sermorelin, Tesamorelin und Pralmorelin.
- CJC-1295 ist kein INN, sondern ein Forschungscode. Genau genommen gehört er zur Form mit Drug Affinity Complex (DAC); mit dem Zusatz „No DAC“ bezeichnet er das Peptid ohne diesen Anhang, systematisch Mod GRF(1-29).
- GRF(1-29) meint die ersten 29 Reste des Hormons (GRF ist ein älterer Name für GHRH). Das unveränderte, C-terminal amidierte Fragment trägt den INN Sermorelin.
Aufbau von CJC-1295 (No DAC) im Detail
Die vier Austausche gegenüber GRF(1-29) und das Kettenende haben jeweils einen chemischen Hintergrund:
- D-Alanin an Position 2: Die Bindung zwischen Rest 2 und 3 ist im natürlichen Fragment eine Schnittstelle für Dipeptidylpeptidasen wie DPP-4. Die gespiegelte Konfiguration erschwert diese Spaltung.
- Glutamin an Position 8: Die Folge Asn-Ser gilt als deamidierungsanfällig; Glutamin reagiert auf diesem Weg deutlich langsamer.
- Alanin an Position 15: Alanin begünstigt helikale Abschnitte stärker als das flexible Glycin.
- Leucin an Position 27: Leucin ist ähnlich groß und ebenso unpolar wie Methionin, besitzt aber keine Thioethergruppe.
- Argininamid am C-Terminus: Die Amidgruppe ersetzt die negativ geladene Carboxylgruppe.
Durch die Austausche ist CJC-1295 (No DAC) rechnerisch nur rund 10 Da schwerer als Sermorelin (C149H246N44O42S, 3357,9 g/mol); im Massenspektrum ist das ein kleiner, aber eindeutiger Abstand.
Aufbau von Ipamorelin
Ipamorelin lässt sich als verkürztes GHRP-1 lesen: Aus Ala-His-D-2Nal-Ala-Trp-D-Phe-Lys-NH2 entfällt das Dipeptid Ala-Trp, und das N-terminale Alanin wird durch Aib ersetzt.
- Aib trägt zwei Methylgruppen am α-Kohlenstoff. Der Baustein ist deshalb achiral und kann nicht epimerisieren.
- D-Phe-Lys-NH2 am Kettenende ist das gemeinsame Motiv der GHRP-Reihe; es findet sich ebenso in GHRP-1, GHRP-2 und GHRP-6.
- Drei basische Gruppen – N-terminales Amin, Imidazolring des Histidins und ε-Aminogruppe des Lysins – bestimmen, wie viele Gegenionen das Salz bindet.
Abgrenzung zu verwandten Molekülen
- CJC-1295 (No DAC): 29 Reste, vier Austausche, 3367,9 g/mol, schwefelfrei.
- CJC-1295 mit DAC: zusätzliches Lysin mit Maleimidopropionyl-Gruppe, 3647,2 g/mol. Die Maleimid-Gruppe reagiert mit freien Thiolgruppen.
- Sermorelin: unverändertes GRF(1-29)-NH2 mit Asn8, Gly15 und Met27.
- Tesamorelin: volle Länge von 44 Resten mit Hexenoyl-Gruppe am N-Terminus, 5135,9 g/mol.
- Ipamorelin: fünf Reste, 711,9 g/mol, ohne Tryptophan.
- GHRP-2 und GHRP-6 (nicht im Sortiment): Hexapeptide mit Tryptophan als zusätzlicher Oxidationsstelle.
Worauf bei Analytik und COA achten
Alle drei Produkte werden regelmäßig extern per HPLC und Massenspektrometrie geprüft; verfügbare Analysezertifikate (COA) stehen im Laborbereich, ohne Zertifikat gilt die Prüfung als ausstehend. Richtwerte für den Abgleich:
- Massen CJC-1295 (No DAC): monoisotopisch 3365,9 Da, mittlere Masse 3367,9 Da. Die 2 Da Unterschied sind keine Abweichung, sondern Rechenweise. Mehrfach geladene Ionen liegen, mit der mittleren Masse gerechnet, bei m/z ≈ 843,0 (4+), 674,6 (5+) und 562,3 (6+); die DAC-Form erschiene bei 4+ um m/z 912,8.
- Massen Ipamorelin: monoisotopisch 711,39 Da, [M+H]+ bei m/z 712,39, [M+2H]2+ bei m/z 356,70.
- Addukte: Natrium (+22 Da, bei Ipamorelin [M+Na]+ ≈ 734,4) und Kalium (+38 Da) sind übliche Begleitsignale, keine Fremdsubstanz.
- Typische Nebenprodukte: Fehlsequenzen aus der Synthese, Signale bei +1 Da (deamidiertes Glutamin oder freie Säure statt C-terminalem Amid) und bei −18 Da (Aspartimid an einem der beiden Asparaginsäure-Reste von CJC-1295). Stereo- und Stellungsisomere wie L-Ala2 bei CJC-1295, D-His oder das 1-Naphthyl-Isomer bei Ipamorelin haben dieselbe Masse und fallen nur chromatographisch auf.
- Blend: Das Flächenverhältnis der beiden Hauptpeaks ist kein Mengenverhältnis, weil beide Moleküle UV-Licht unterschiedlich stark absorbieren. Prüfen Sie, ob die Reinheit je Komponente oder als Summe ausgewiesen ist.
- Gegenionen und Nettopeptidgehalt: Peptide aus der Festphasensynthese liegen meist als Acetat oder Trifluoracetat vor. Beim kleinen Ipamorelin fällt das stark ins Gewicht: Zwei Moleküle Essigsäure machen rechnerisch rund 14 % der Salzmasse aus, zwei Moleküle Trifluoressigsäure rund 24 %. Die HPLC-Reinheit erfasst diesen Anteil nicht.
Grundlagen erklärt der Ratgeber HPLC und Massenspektrometrie; die Prüfschritte am Dokument beschreibt Analysezertifikat richtig lesen.
Lagerung und Handhabung im Labor
Ungeöffnete Vials lagern Sie kühl bei 2–8 °C, für längere Zeiträume bei −20 °C, jeweils trocken und dunkel. Lassen Sie das verschlossene Vial vor dem Öffnen Raumtemperatur annehmen, damit sich kein Kondenswasser auf dem hygroskopischen Pulver niederschlägt.
- Bei CJC-1295 (No DAC) stehen Deamidierung und Aspartimid-Bildung im Vordergrund; beide laufen vor allem in Lösung ab und hängen von pH-Wert und Temperatur ab.
- Die aromatischen Reste beider Peptide und das Histidin in Ipamorelin können unter Licht und Sauerstoff oxidieren.
- Im Blend teilen sich beide Peptide ein Lyophilisat. Maßgeblich ist die empfindlichere Komponente; getrennt aufbewahren lassen sie sich nicht.
Allgemeine Hinweise enthält der Ratgeber Lyophilisierte Peptide lagern.
Forschungskontext
Beide Moleküle werden in In-vitro- und präklinischer Forschung zur hypothalamisch-hypophysären GH-Achse untersucht, allerdings an verschiedenen Rezeptoren. CJC-1295 (No DAC) wird dem GHRH-Rezeptor zugeordnet, einem G-Protein-gekoppelten Rezeptor der Klasse B, dessen Signal in Zellassays meist über cAMP gemessen wird. Ipamorelin wird dem GHS-R1a zugeordnet, einem Rezeptor der Klasse A, bei dem man typischerweise intrazelluläres Calcium misst.
Nur für die Forschung: rechtlicher Hinweis
CJC-1295 (No DAC), Ipamorelin und der Blend werden bei GPeptides ausschließlich als Laborreagenzien für die In-vitro-Forschung abgegeben. Sie sind nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt und werden nicht als Arzneimittel angeboten; Angaben zu Anwendung oder Wirkung macht GPeptides nicht. Zu den Produktseiten: CJC-1295 (No DAC), Ipamorelin und CJC-1295 + Ipamorelin; die Produktfamilie steht in der Kategorie GHRH & GHRP.
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