
Ratgeber
Tesamorelin: Aufbau, Analytik und Handhabung in der Forschung
Tesamorelin ist ein am N-Terminus acyliertes Analogon des humanen GHRH aus 44 Aminosäuren. Der Ratgeber erklärt Benennung, Aufbau und Abgrenzung zu verwandten Peptiden sowie Analytik und Lagerung des Laborreagenzes.
Nur für Forschungszwecke- Veröffentlicht2026-09-24
- Aktualisiert2026-09-24
- AutorGPeptides Redaktion (Betreiber)
Überblick und Benennung
Tesamorelin ist der internationale Freiname (INN) eines synthetischen Peptids, das sich vom humanen Growth-Hormone-Releasing-Hormon ableitet. Das Ausgangshormon heißt auch GRF oder Somatoliberin. Im Zusammenhang mit Tesamorelin begegnen Ihnen vor allem diese Namen:
- Tesamorelin: Freiname des Peptids ohne Gegenion und Katalogname bei GPeptides; geliefert lyophilisiert im Vial mit 10 mg Einwaage.
- Tesamorelin-Acetat: Salzform mit Acetat als Gegenion.
- TH9507 oder TH-9507: älterer Forschungscode, der in Datenbankeinträgen als Synonym auftaucht.
- N-[(3E)-hex-3-enoyl]-hGHRH(1-44)-NH2: systematische Schreibweise mit Acylgruppe, Ausgangssequenz und C-terminalem Amid.
Die INN-Endung „-relin“ verweist auf das Umfeld der hypophysären Releasing-Hormone, verrät aber nichts über die Rezeptorfamilie: Auch Ipamorelin trägt sie, obwohl es einer anderen Peptidklasse angehört.
Aufbau im Detail
Das Rückgrat besteht aus 44 L-Aminosäuren in exakt der Reihenfolge des humanen Hormons. Alle Abwandlungen konzentrieren sich auf die beiden Kettenenden:
- N-Terminus: Die α-Aminogruppe von Tyrosin 1 ist über eine Amidbindung mit einem trans-3-Hexenoyl-Rest verknüpft, einer C6-Acylgruppe mit E-konfigurierter Doppelbindung zwischen C3 und C4. Dem Molekül fehlt damit die freie, protonierbare Aminogruppe am Kettenanfang.
- Hintergrund der Acylierung: Unverändertes GHRH ist ein Substrat der Protease Dipeptidylpeptidase 4 (DPP-4), die zwischen Alanin 2 und Asparaginsäure 3 spaltet. Die Acylgruppe ist als Schutz vor dieser Spaltung beschrieben; sie betrifft die enzymatische Stabilität, nicht die Sequenz.
- C-Terminus: Das abschließende Leucin trägt wie im natürlichen Hormon eine neutrale Carboxamidgruppe statt einer Carboxylgruppe.
- Was fehlt: Tesamorelin enthält weder D-Aminosäuren noch eine Zyklisierung, Disulfidbrücke oder langkettige Lipidierung. Basisch sind sechs Arginine und zwei Lysine, sauer zwei Asparaginsäuren und zwei Glutaminsäuren.
Abgrenzung zu verwandten Molekülen
Die Peptide rund um die GH-Achse unterscheiden sich in Kettenlänge, Art der Abwandlung und Zielrezeptor:
- hGHRH(1-44)-NH2: natürliche Referenzsequenz mit 44 Resten, ohne Acylgruppe; rund 5040 Da.
- Tesamorelin: dieselben 44 Reste plus trans-3-Hexenoyl am N-Terminus; C221H366N72O67S, rund 5136 Da; GHRH-Rezeptor.
- hGRF(1-29)-NH2: auf die ersten 29 Reste verkürztes, sonst unverändertes Fragment; rund 3358 Da.
- CJC-1295 (No DAC): ebenfalls 29 Reste, jedoch mit vier Austauschen, darunter D-Alanin an Position 2 und Leucin anstelle von Methionin an Position 27; rund 3368 Da; GHRH-Rezeptor.
- Ipamorelin: Pentapeptid mit nicht proteinogenen Bausteinen, rund 712 Da; Ghrelin-Rezeptor (GHS-R1a) statt GHRH-Rezeptor.
Analytisch trennt die Masse am schärfsten: Zwischen Tesamorelin und den 29er-Analoga liegen rund 1770 Da, zwischen Tesamorelin und der unacylierten Sequenz die rund 96 Da des Acylrests.
Worauf bei Analytik und COA achten
Tesamorelin wird regelmäßig extern per HPLC und Massenspektrometrie geprüft. Beim Lesen eines Zertifikats helfen die folgenden molekülspezifischen Richtwerte:
- Erwartete Masse: rund 5135,9 Da als Mittelwert, 5132,7 Da monoisotopisch. Bei Elektrospray-Ionisierung erscheinen mehrere Ladungszustände nebeneinander, rechnerisch (bezogen auf die mittlere Masse) [M+4H]4+ bei m/z ≈ 1285,0, [M+5H]5+ bei 1028,2 und [M+6H]6+ bei 857,0. Bei rund 5 kDa ist das monoisotopische Signal nicht das intensivste der Isotopenverteilung; Abweichungen um 1 Da erfordern daher eine hochauflösende Messung.
- Addukte: Natrium- und Kaliumaddukte verschieben die dekonvolutierte Masse um etwa +22 beziehungsweise +38 Da. Sie sind in der Regel ein Effekt der Ionisierung und kein eigenes Nebenprodukt.
- Typische Nebenformen: das Sulfoxid von Methionin 27 (+16 Da, im Umkehrphasen-Chromatogramm meist etwas früher eluierend), die Form ohne Acylgruppe (−96 Da, entspricht der unmodifizierten Sequenz), Fehlsequenzen aus der Synthese (etwa −113 Da für ein fehlendes Leucin oder Isoleucin, −156 Da für ein fehlendes Arginin) sowie Deamidierung an Asparagin 8 oder 35 (rund +1 Da). Isomere mit identischer Masse fallen im einfachen Massenspektrum nicht auf; hier entscheidet die Trennleistung der HPLC.
- Gegenionen: Aus Synthese und Aufreinigung stammt häufig Trifluoracetat (TFA); nach einem Salzaustausch liegt das Peptid als Acetat vor. Wären alle acht basischen Seitenketten besetzt, entfielen rechnerisch rund 480 Da auf Acetat oder rund 910 Da auf TFA.
- Reinheit ist nicht Peptidgehalt: Die HPLC-Reinheit ist der Flächenanteil des Hauptpeaks im UV-Chromatogramm und erfasst weder Gegenionen noch Restwasser. Der Nettopeptidgehalt bezieht sich dagegen auf die gesamte Einwaage.
Vertiefend dazu: HPLC und Massenspektrometrie, Analysezertifikat richtig lesen und Reinheit und Verunreinigungen. Im Laborbereich finden Sie die verfügbaren Analysezertifikate (COA); wo noch keines hinterlegt ist, steht dort „ausstehend“.
Lagerung und Handhabung im Labor
Gefriergetrocknet ist Tesamorelin deutlich beständiger als in Lösung. Kurzfristig genügen 2–8 °C, für längere Zeiträume empfiehlt sich −20 °C, jeweils trocken und lichtgeschützt. Zwei Stellen der Sequenz verdienen besondere Aufmerksamkeit:
- Methionin 27: Luftsauerstoff und Licht begünstigen die Oxidation. Vials daher nur kurz geöffnet lassen.
- Asparagin- und Glutaminreste: Feuchtigkeit und Wärme fördern die Deamidierung. Lassen Sie das Vial vor dem Öffnen auf Raumtemperatur kommen, damit sich kein Kondenswasser auf dem Pulver niederschlägt.
Acetatsalze von Peptiden sind häufig hygroskopisch; wiegen Sie daher zügig und bei möglichst geringer Luftfeuchte. Lösungen besser aliquotieren als wiederholt einfrieren und auftauen. Allgemeine Hinweise enthält der Ratgeber Lyophilisierte Peptide lagern.
Forschungskontext
Tesamorelin wird in In-vitro- und präklinischer Forschung zum GHRH-Rezeptor untersucht, einem G-Protein-gekoppelten Rezeptor der Klasse B, der über den cAMP-Signalweg signalisiert. Typische Fragestellungen sind Rezeptorbindung und Signalweiterleitung in rezeptorexprimierenden Zellsystemen sowie der Vergleich vollständiger und verkürzter GHRH-Analoga. Für die Peptidchemie ist das Molekül zudem ein Modellfall für N-terminale Acylierung als Schutz vor Exopeptidasen wie DPP-4.
Nur für die Forschung: rechtlicher Hinweis
GPeptides bringt Tesamorelin ausschließlich als Laborreagenz für die In-vitro-Forschung in Verkehr. Das Produkt ist nicht zur Anwendung am oder im menschlichen oder tierischen Körper bestimmt und wird nicht als Arzneimittel angeboten. Hinweise zu Anwendung oder Wirkung gibt GPeptides nicht; die Analytik belegt Identität und Reinheit des Reagenzes, mehr nicht. Preis und Verfügbarkeit finden Sie auf der Produktseite Tesamorelin, verwandte Peptide in der Kategorie GHRH- & GHRP-Peptide.
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